Chorleben 2012

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Unsere Chormitglieder beweisen nicht nur mit ihren Gesangsstimmen, wie wichtig ihnen der Chor, das Beisammensein, die gemeinsame Liebe zur Musik sind. Das Engagement trägt inzwischen ganz neue Früchte. Vielen von uns geht das Herz über, doch es fehlen die Worte, all das, was uns bewegt, auszudrücken.

Unsere liebe Chorfreundin Susanne Gobst hat das Talent, nicht nur mit Tönen, sondern auch mit Worten umzugehen und spricht unsere Gedanken aus:

Jahresende

Das Jahresende ist oft die Zeit, um Bilanz zu ziehen. Nicht nur beim ZDF und Markus Lanz gibt es den alljährlichen Jahresrückblick. Auch in unserem Frauenchor La Musica ist die jährliche Weihnachtsfeier der Ort, wo alles noch einmal angeschaut wird, was das vergangene Jahr so gebracht hat. Was ist gelungen? Was vielleicht auch nicht so sehr…?

Was gewesen ist, das sind zunächst die wöchentlichen Chorproben. Jeden Dienstagabend, um 19:30 Uhr, ist Treffpunkt in der Musikschule. In den Proben wird nicht nur geübt. Nein, nein, da geschieht noch viel mehr. In den Proben wird musikalisch das neue Jahr begrüßt. Das erste Gefühl von Mai wird besungen. Das bunte Laub im September oder der herbstliche Regen sind genauso Thema wie natürlich die beginnende Weihnachtszeit.

Apropos Proben: nicht immer und nicht für jeden ist der Dienstagabend nur ein freudiges Ereignis. Bei tropischer Sommerhitze muss so mancher sich überwinden, um den Abend im etwas stickigen Probenraum zu verbringen.  Im heimischen Garten hätte man schließlich auch so einiges zu tun. Manch anderer scheut eher die dunkle Jahreszeit, wenn die Straßen nass und glatt werden… Und wenn Schnee und Eis die Wege noch unpassierbarer machen, dann sind die notorischen Fahrradfahrer ganz sicher in der Klemme. Zur Probe zu fahren ist also oft ein gutes Stück Überwindung und Kampf gegen den inneren Schweinehund. Schön, dass die Mehrheit diesen Kampf immer wieder gewinnt.

In 2012 gab es im Vergleich zu anderen Jahren nicht so viele Auftritte.

Als erstes war da das Sommerfest im Alten- und Pflegeheim des Arbeiter-Samariter-Bundes  in Dahlen. Zur Weihnachtszeit waren wir schon mehrfach in Dahlen und sind dort gern gesehener Gast. Jetzt im Sommer dort zu sein, zum Sommerfest, das war ein ganz anderer Eindruck. Den schönen Park zu genießen, das weitläufige Gelände, aber immer wieder die überaus herzliche Begrüßung durch die Heimleitung und alle Mitarbeiter, das war neben dem Singen eine wirkliche Freude. Eine Freude, aber auch Herausforderung war es aber auch, in einem großen Programm mit anderen Chören, mit dem Blasorchester Ziesar und der Tanzgruppe aus Cammer zu musizieren. Viele, viele Gäste waren gekommen: Bewohner des Heims, ihre Angehörigen, viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.  Es war ein schönes Fest, für uns, aber wohl auch für die Bewohner. Manche waren den ganzen Nachmittag draußen, im Garten, lauschten der Musik und sangen mit. Manche blieben nur kurz, konnten aus gesundheitlichen Gründen wohl nicht lange, ohne Ausruhen dabei sein. Man spürte das große Engagement der Pflegerinnen und Pfleger, die offenbar alle Schützlinge zumindest für eine kleine Zeit nach draußen bringen wollten. Freundlichkeit und Aufmerksamkeit scheint in Dahlen ein hohes Gut zu sein! Wir als Chor erleben dies auch immer wieder und freuen uns sehr.

Gute Tradition hat das Sommerfest der Musikschule. Als ständiger und gern gesehener Gast ist es eine Selbstverständlichkeit, dass der Chor seinen Beitrag dazu leistet. Leider war in diesem Jahr das Wetter alles andere als sommerlich. Der Auftritt fand somit im Saale statt. Das tat zwar dem sommerlich-heiteren Charakter etwas Abbruch, rein akustisch hatte aber kein Zuhörer Probleme, die Texte zu verstehen. Und außerdem gab es einen engen Kontakt zwischen Chor und Publikum.

Ein wirklich schönes Ereignis war das Singen beim Dorffest in Steinberg. Der kleine Ort hatte so viel an Unterhaltung für seine Bewohner auf die Beine gestellt! Da war es wirklich eine Freude und Ehre, dabei sein zu können. Die hübsche kleine Kirche war ein ganz angenehmer Ort zum Singen. Ein freundliches und interessiertes Publikum war offenbar erfreut über unser kleines buntes Programm aus alten und neuen, besinnlichen und heiteren Liedern.

Und dann hatte La Musica eine Premiere: der Chor war eingeladen, bei einer privaten kirchlichen Trauung zu singen. Nicht nur das Brautpaar war aufgeregt, auch wir waren es. Einen solch feierlichen und dazu persönlichen Rahmen hatten wir noch nicht oft. Wir haben uns in jedem Fall sehr bemüht, mit "Panis Angelicus" und „Can’t help falling in love“ dem jungen Paar und seinen Gästen einen angemessenen Rahmen für ihr großes Ereignis zu schaffen. Es scheint auch gelungen zu sein. Die vielen freundlichen Dankesworte haben auch wir sehr gern entgegen genommen.

Und was wurde noch gemacht, geredet bei der Weihnachtsfeier? In erster Linie haben wir froh beisammen gesessen. Ein paar wackere Solisten haben mit Flötenspiel und Rezitation ihren eigenen kleinen Beitrag zum Besten gegeben, um alle anderen zu unterhalten. Es gehört trotz allem doch ein Stückchen Mut dazu, allein oder zu zweit auf die Bühne zu gehen und zu singen, zu spielen oder auch einen Text vorzutragen!

Und dann wurde natürlich erzählt. Dies und das, wozu sonst nicht immer die Zeit ist. So ist es interessant zu hören, warum die eine oder die andere bei La Musica singt.

Für die eine gehört das Singen, ein Chor schon immer zum Leben dazu. Für die andere war der Dienstagabend der einzige freie Termin für private Unternehmungen. Für viele ist das Singen ein wichtiger Ausgleich zu beruflichem Engagement. Immer wieder ist die Freude am Zusammensein mit Gleichgesinnten ein wichtiges Motiv. Und für so manche ist der Chor auch ein Stück Überlebenspaket angesichts anderer, nicht so schöner Lebensumstände. Die Vorstellung, nicht mehr singen zu können, sei es aus Gründen von Krankheit oder warum auch immer ist für die einen ganz schwierig. Andere sehen’s gelassener und haben noch andere Interessen.

Und nicht jede ist immer nur froh mit La Musica. Auch ein Stück Ärger oder Unmut gehört bei der einen oder anderen dazu. Ein unerschöpfliches Thema in diesem Sinn ist die Frage des Repertoires. Nach zwei Gläsern Sekt sprudeln die Streitgespräche umso heftiger, wenn es darum geht, ob wir zu viele englische, russische oder skandinavische Lieder singen. Oder eher zu wenige? Gehören nicht eigentlich viel mehr Volkslieder in unser Programm? Und ist Gospel tatsächlich unsere Stärke? Haben wir diese Musik wirklich im Blut? Und überhaupt: wer sucht eigentlich die Lieder aus, die wir singen? Sollte man da nicht ein Mitspracherecht haben…? - Natürlich sucht Angelika Eckelmann die Lieder aus, unsere Chorleiterin. Und dann werden alle auch wieder ganz friedlich. Denn Angelika macht das schon! Die weiß schon, was gut für uns ist. Und außerdem: Chorgesang ist Diktatur!

Mehr als einen Grund zu klagen hat natürlich Gisela, die organisatorische Leiterin. Wieso kommen eigentlich nicht alle immer und regelmäßig und jeden Dienstag zur Probe? Und zu jedem Auftritt sowieso? Dass man sich rechtzeitig abmelden soll, wenn ein Termin wirklich mal nicht geht, das hat Gisela schon so oft gesagt! Und doch gibt es immer wieder welche, die… Überhaupt: können nicht alle Sängerinnen mit dem gleichen Engagement, mit der gleichen Leidenschaft, mit der gleichen Begeisterung singen wie Gisela selbst es tut? Der Chor könnte so schön sein, wenn es all die Individualisten nicht gäbe!

Chorgesang ist Diktatur! Ja, so ist das! Aber andererseits ist es auch so interessant und wichtig, jede einzelne der etwa 35 Sängerinnen zu sehen. Jede ist anders.

Die einen sind von der ersten Stunde an dabei. Die anderen erst seit wenigen Jahren. Die einen singen von Kindesbeinen an. Die anderen fangen erst jetzt, in der Mitte des Lebens, an, sich mit Musik und Singen zu beschäftigen. Die einen spielen selbst ein Instrument, kennen all die Noten und Zeichen auf dem Notenblatt. Die anderen hören gern auf die Nachbarin, um sich nach und nach die Melodie einzuprägen.

Jede hat ihre Stärken und Schwächen. Jede hat ihre Gründe, um bei La Musica zu singen. Jede bringt ihr eigenes Leben mit in diesen Chor. Und nimmt ein Stück daraus auch immer wieder mit nach Hause.

Chor, das ist viel mehr als nur Singen. Chor, das ist ein eigenes Stück Leben. Für jede Einzelne und für alle zusammen.

Darüber müsste man mal ein Buch schreiben! Na ja, vielleicht in 2013.  

                                                                                         Susanne Gobst, 13. Dezember 2012

 

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